„Little Women“ von Louisa May Alcott

Louisa May Alcotts Klassiker „Little Women“ war seinerzeit Teil meines Buchpakets – mehr oder weniger – feministischer Texte, wenn ich mich recht entsinne. Auch hier hat mich die (neuerliche) Verfilmung des Stoffes dazu animiert, das Buch zu lesen. Damit ich anschließend mit kritischem Blick den Film schauen kann, auf den ich mich im Übrigen schon sehr freue. Allein die Besetzung klingt vielversprechend: Greta Gerwig, die zuletzt als Regisseurin von „Lady Bird“ Furore machte, hat das Drehbuch zu „Little Women“ geschrieben, führt Regie und arbeitet hier mit Meryl Streep (Aunt March), Saoirse Ronan (Jo), Emma Watson (Meg), Timothée Chalamet (Laurie), Laura Dern (Mary March) und vielen weiteren großartigen Schauspielern zusammen. Aber in meiner Vorfreude – der Film erscheint am 25. Dezember 2019 – verzettel ich mich hier. Ich wollte dir doch von dem Buch „Little Women“ erzählen.

Cover der Vintage-Classics-Ausgabe von Louisa May Alcotts „Little Women“
Worum es geht

Weihnachten wird dieses Jahr einfach nicht dasselbe sein für die Schwestern Meg, Jo, Beth und Amy March. Ihr Vater ist in den Bürgerkrieg gezogen und die Familie hat einen Großteil ihres Besitzes verloren. Die siebzehnjährige Meg arbeitet seither als Gouvernante der Familie King, die sechzehnjährige Jo geht ihrer herrischen Tante March zur Hand, Beth hilft tüchtig im eigenen Haushalt mit und Amy, das Nesthäkchen, geht noch zur Schule. Ein Jahr lang dürfen wir die Schwestern begleiten, ihnen bei ihren Pflichten und Freizeitvergnügen zuschauen, an ihren Erfolgen und Misserfolgen teilhaben, mit ihnen lernen und lachen und erwachsen werden. Es ist ein ereignisreiches Jahr, und Mary March unterstützt ihre Mädchen nach Kräften auf ihrem Weg.

Meg hadert am meisten mit dem verlorenen Reichtum der Familie und der Tatsache, dass sie nun arbeiten und ihre zarten weißen Hände benutzen muss, die ihr ganzer Stolz sind. Aber wie auch ihre Schwestern ist sie pragmatisch veranlagt, und sie erkennt, dass Reichtum längst nicht alles ist.

Jo ist längst nicht so eitel wie Meg. Im Gegensatz zu Meg hat sie aber auch nur einen physischen Vorzug und das ist ihre Haarpracht. Jo wäre am liebsten ein Junge, dann hätte sie mit ihrem Vater in den Krieg ziehen können, das hätte ihr gefallen. Sie ist quirlig, immer in Bewegung und ihr großer Traum ist es, Schriftstellerin zu werden. Jo ist es auch, die kurzerhand den Enkel ihres Nachbarn, Mr Laurence, in ihren Kreis mit aufnimmt. Laurie dankt es ihr mit treuer Freundschaft und vielen neuen Ideen für Streiche und Vergnügungen.

Es ist die pure Freude, dieses Buch zu lesen! Die Welt der March-Schwestern ist noch so überschaubar, ihr Leben nicht einfach, aber voller Weisheiten, von denen sich manche auch auf die heutige Zeit anwenden lassen. Natürlich sind die Ideale, die darin an Frauen und Männer gestellt werden, veraltet, trotzdem ist der Text für die damalige Zeit recht fortschrittlich, vermute ich. Schließlich verdienen die Mädchen ihr eigenes Geld und werden ermuntert, ihren eigenen Weg zu gehen.

Louisa May Alcott (1832-1888) hat die Fortsetzung von „Little Women“ vom Erfolg des Debüts abhängig gemacht und drei Folgebände geschrieben: „Good Wives“, „Jo’s Boys“ und „Little Men“. Und ich weiß daher auch schon, was ich in der Weihnachtszeit als nächstes lesen werde 😉

„Gespensterjäger“ von Cornelia Funke

Mein jüngster Bruder hat mir schon letztes Jahr nahegelegt, dass ich meinen Kindern unbedingt die „Gespensterjäger“ von Cornelia Funke vorlesen soll. Damals erschien mir das noch etwas früh. Vor kurzem nun lief die Verfilmung im Fernsehen und meine Kinder waren begeistert. Normalerweise nehme ich immer lieber den anderen Weg und lese erst das Buch, bevor ich den Film anschaue, aber in diesem Fall war es goldrichtig. Die Bücher waren schnell ausgeliehen und so konnten wir uns die Freude an den Figuren und der Geschichte noch einen guten Monat erhalten.

Cover von Cornelia Funkes „Gespensterjäger“
Worum es geht

Tom Tomsky ist ein eher ängstlicher Junge und gar nicht glücklich darüber, als ihn seine Mutter bittet, etwas aus dem Keller zu holen. Den Keller findet er furchtbar unheimlich – und das zu recht, wie sich herausstellt. Denn er wird dort von einem Gespenst angegriffen! Klar, dass ihm daheim keiner glaubt. Seine große Schwester macht sich nur lustig über ihn und seine Mutter schaut ihn besorgt an. Aber seiner Oma kann er sich immer anvertrauen und die hat einen richtig guten Tipp für ihn. Er soll sich bei ihrer Freundin Hedwig Kümmelsaft melden, ihres Zeichens Gespensterjägerin. Frau Kümmelsaft hört ihm interessiert zu und erklärt ihm, wie er ein MUG, ein Mittelmäßig Unheimliches Gespenst, vertreiben kann. Tom fand es jetzt zwar mehr als mittelmäßig unheimlich, aber er nimmt all seinen Mut zusammen und stellt sich dem Gespenst in der nächsten Nacht erneut. Das ist der Beginn seiner Freundschaft zu Hugo MUG, der sich in Toms Keller geflüchtet hat, weil ein mächtigeres Gespenst ihn aus seiner Villa vertrieben hat. Und damit haben Kümmelsaft & Co. ihren ersten Fall.

Das Trio besteht in den drei Folgebänden, „Gespensterjäger im Feuerspuk“, „Gespensterjäger in der Gruselburg“ und „Gespensterjäger in großer Gefahr“, ein haarsträubendes Abenteuer nach dem anderen und kämpft gegen GRUBLIGEIs (GRauenhaft Unbesiegbarer BLItzGEIst), HISPEGs (HIstroische SPukErscheinunG), NEPROSPEGs (NEgativPROjektion einer SPukErscheinunG) und viele andere furchterregende Gestalten. Immer mit dabei ist Hedwig Kümmelsafts beeindruckendes Arsenal aus teils selbst kreierten Spukabwehrmechanismen. Cornelia Funkes „Gespensterjäger“ sind ein unheimlicher Spaß, nicht nur für Kinder, was an der großen Fantasie der Autorin, ihrer sprachlichen Kreativität, ihrem Witz und in diesem Fall auch am Nervenkitzel der Lektüre liegt.

Die Verfilmung des ersten Bandes, u. a. mit Anke Engelke, Bastian Pastewka, Karlonine Herfurth und Christian Tramitz in den Hauptrollen, ist nur lose an das Buch angelehnt bzw. erzählt seine eigene Geschichte. Trotzdem ist der Film sehenswert und gelungen und es ist schade, dass es bei dieser einen Verfilmung des Stoffs geblieben ist.

„Lethal White – A Strike Novel“ von Robert Galbraith

Ich bin verzweifelt, weil ich nicht weiß, was ich als nächstes lesen soll. Warum? Weil ich zuletzt „Lethal White“ von Robert Galbraith gelesen habe, den vierten Band über den Privatdetektiv Cormoran Strike und seine Partnerin Robin Ellacott. Am liebsten würde ich jetzt den nächsten Band lesen, den es aber leider noch nicht gibt. Oder die Filmreihe schauen (die ersten drei Bände sind nämlich schon verfilmt worden. Ob sie gut sind, weiß ich allerdings noch nicht.) Alles, um noch ein bisschen länger in dieser Welt verweilen zu können. Denn mich einfach dem nächsten Buch zuzuwenden, scheint unvorstellbar. Ein klarer Fall: Ich leide unter einem „book hangover“, einem Bücherkater oder Bücherjammer könnte man sagen.

In der Regel schaffen es nur wenige Bücher, dass ich mich so in ihnen verlieren kann, dass mir die Rückkehr in die Realität schwer fällt. Aber J. K. Rowling gelingt es jedes Mal. Sie hat die Strike-Romane unter dem Pseudonym Robert Galbraith verfasst, von daher ist es nicht verwunderlich, dass ich so fasziniert bin von der Geschichte und ihren Figuren.

Cover von „Lethal White“ von Robert Galbraith
Worum es geht

Wie schon erwähnt ist „Lethal White“, zu Deutsch „Weißer Tod“, der lang ersehnte vierte Band der Reihe. Der erste, „Der Ruf des Kuckucks“, erschien Ende April 2013, die beiden Folgebände, „Der Seidenspinner“ und „Die Ernte des Bösen“, in den Jahren 2014 und 2016. Im Mittelpunkt der Reihe steht Cormoran Strike, ein Kriegsveteran, der seine Erfahrung als Sonderermittler der Militärpolizei nun für seine eigene Detektei einsetzt. Im ersten Band ist er auf der Suche nach einer Aushilfskraft, und Robin Ellacott wird ihm von einer Agentur geschickt. Robin wollte schon als Kind Polizistin werden, wurde von ihren Brüdern aber immer nur ausgelacht. Ihrem Verlobten, Matthew, hat sie daher nie etwas von ihrem Wunsch erzählt, aber der Beruf fasziniert sie immer noch. Es dauert nicht lange und sie wird Strikes Partnerin in der Detektei. Die beiden sind ein hervorragendes Team und fühlen sich auch abseits der Arbeit zueinander hingezogen.

Der vierte Band beginnt genau da, wo der dritte aufhörte. Man findet nach der Wartezeit somit wieder schnell Zugang zu der Geschichte. Es ist das bislang umfangreichste Werk der Reihe, würde ich meinen, was auch daran liegt, dass Robins und Strikes jeweiligem Privatleben viel Raum gewidmet wird. Der Fall selbst ist recht komplex und beginnt damit, dass Strike in seinem Büro von einem jungen, offenbar psychisch kranken Mann aufgesucht wird, der behauptet, als Kind habe er einen Mord beobachtet. Der junge Mann flieht, als Strike ihm weitere Fragen stellen will. Seine Geschichte lässt Strike jedoch keine Ruhe. Auf der Suche nach ihm geraten er und Robin zunächst in einen Erpressungsfall, der einen Minister des Parlaments betrifft, später wird aus der Erpressung ein Mord und es stellt sich die Frage: Haben dieser Mord und der Mord, den Billy vor 20 Jahren beobachtet haben will, etwas miteinander zu tun? Und gelingt es Robin und Strike, beide aufzuklären, Billy zu finden, Ruhe in ihr turbulentes Privatleben zu bringen und ihre Freundschaft zu retten?

Mehr will ich gar nicht verraten, um dir die Freude an der Lektüre nicht zu verderben. Die richtige Jahreszeit, um die Serie zu entdecken, ist jetzt, und ich wünsche dir viel Vergnügen dabei. Aber eine kleine Warnung gebe ich dir noch mit auf den Weg: Das Suchtpotential ist groß und wann der fünfte Band erscheinen wird, ist noch nicht bekannt.

„Frau im Dunkeln“ von Elena Ferrante

Elena Ferrante ist ja seit einiger Zeit in aller Munde. Ihre Saga aus Neapel, die mit „Meine geniale Freundin“ begann, ist ein weltweiter Bestseller und auch ihre anderen Bücher werden seither viel gelobt und beachtet. Von einer Freundin wurde mir letztens „Frau im Dunkeln“ ausgeliehen, das bereits 2007 erstmals auf Deutsch erschien und von dem ich dir heute erzählen möchte.

Worum es geht

Leda ist Ende Vierzig. Ihre beiden Töchter sind bereits erwachsen und leben seit einiger Zeit bei ihrem Vater in Kanada. Leda genießt es, allein zu sein, nur für sich sorgen zu müssen. Schon oft hat sie sich seither sagen lassen, dass sie besser und jünger ausschaut als sie eigentlich ist.

Aus einem Impuls heraus hat sie entschieden, diese Sommerferien am Meer zu verbringen und dort die Seminararbeiten zu korrigieren, die sich auf ihrem Schreibtisch stapeln. Am ersten Tag der Ferien packt sie alles in ihr Auto und fährt zu dem kleinen Ort, den sie sich nach eingehender Recherche ausgesucht hat. Giovanni, ein älterer Herr, führt sie dort in ihre Ferienwohnung, in der sogar eine Schale mit frischem Obst steht. Doch bei genauerer Betrachtung stellt sie fest, dass unter einigen frischen Früchten alte, verschimmelnde Früchte liegen. Ein Omen, möchte man am Schluss der Lektüre sagen.

Der Strand liegt in den nächsten Tagen recht ruhig da und Leda schiebt die Zweifel, die sie bereits beschlichen, beiseite. Doch dann beobachtet sie Nina, eine junge Frau, etwa zwanzig Jahre alt, die am Strand mit ihrer drei oder vier Jahre alten Tochter und deren Puppe spielt. Beide wirken so eins, sich selbst genug, dass Leda über ihr eigenes Leben, ihre eigene Mutterrolle nachzudenken beginnt. Als dann am Wochenende auch noch Ninas laute neapolitanische Familie an den Strand kommt, wird Leda endgültig mit Erinnerungen überschwemmt, auch an ihre eigene Kindheit.

Leda bricht im folgenden ihren äußeren Schein auf und schaut auf ihr dunkelstes Inneres. Das Gleiche geschieht später auch bei Nina, denn auch dort ist nicht alles so, wie es scheint. Katalysator für beide Häutungen ist, dass Leda die Puppe von Ninas Tochter im Sand findet und einfach mit nach Hause nimmt, statt sie zurückzugeben. Bei Leda ruft die Puppe Erinnerungen wach, Ninas Tochter wird über den Verlust der geliebten Puppe krank und setzt somit auch ihrer Mutter zu.

Elena Ferrante schreibt gut und zieht uns mit ihren Geschichten in den Bann. Aber mir fällt auf, dass sie sich in ihren Büchern besonders gern mit den negativen Emotionen und Bildern beschäftigt. Sicherlich ist Muttersein kein Zuckerschlecken und einige der Gedanken, die Leda in dieser Zeit hatte, kommen der ein oder anderen bestimmt auch bekannt vor. Aber das ist ja nicht alles. Ebenso wie in der Obstschale gute und schlechte Früchte lagen, hat man in seinem ganzen Leben gute und schlechte Phasen oder Momente. Und diese guten Erlebnisse blendet Elena Ferrante aus, habe ich den Eindruck. Oder sie werden von negativen Ereignissen überlagert. Man braucht daher für die Lektüre ihrer Bücher ein dickes Fell oder man bzw. frau sollte sich vorher schon seelisch darauf einstellen, dass harte Kost auf uns wartet 😉

„Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran“ von Éric-Emmanuel Schmitt

Ich nehme an, dass fast jeder schon einmal von Éric-Emmanuel Schmitt gehört hat, oder? Irgendwie hatte ich eine Zeitlang den Eindruck, man komme in Buchhandlungen an seinen Büchern nicht vorbei. Es ist aber durchaus möglich, dass es sich dabei um einen sehr subjektiven Eindruck handelt. Außerdem ist die Beobachtung schon einige Jahre alt. Ebenso wie meine Ausgabe von „Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran“. Alt und bislang ungelesen. Was daran lag, dass ich es ein wenig bereue, Französisch nach der zehnten Klasse abgewählt zu haben, und es entsprechend schön fände, besser Französisch zu können. Gleichzeitig aber hat mich bisher die Aussicht auf eine etwas mühevollere Lektüre als üblich von ebendieser abgehalten. Ich bin ziemlich faul in dieser Hinsicht, das gebe ich gerne zu. Aber letzte Woche war es soweit, denn welch besserer Anlass, mich selbst in den Hintern zu treten, als ein in Aussicht gestellter Besuch im schönen Süden Frankreichs?

Cover der Reclam-Ausgabe von „Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran“ von Éric-Emmanuel Schmitt

Tatsächlich war „Monsieur Ibrahim“ die Mühe auf jeden Fall wert. Es ist ein schönes Buch, zu gleichen Teilen melancholisch, lustig, weise und hoffnungsvoll. Kein Wunder, dass es sowohl im Theater als auch auf der großen Leinwand Verbreitung fand und mittlerweile Lektüre im Französischunterricht geworden ist. Scheinbar wurden gegen Schmitt auch Plagiatsvorwürfe erhoben, aber ein Urteil darüber überlasse ich lieber denen, die mehr von der Sache verstehen als ich. Mir hat die Geschichte vom elfjährigen Momo, der von Monsieur Ibrahim adoptiert wird, sehr gut gefallen. Ebenso wie die vielen Lebensweisheiten, die Monsieur Ibrahim an Momo weitergibt, auch wenn ich folgende etwas fragwürdig fand:

„Lorsqu’on veut apprendre quelque chose, on ne prend pas un livre. On parle avec quelqu’un. Je ne crois pas aux livre.“

Aus „Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran“ von Éric-Emmanuel Schmitt, S. 40

Man lernt nichts aus Büchern? Ich bin schockiert 😉 „Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran“ ist ein wirklich schönes Buch, aus dem man eine Menge lernen und das ich auch darum nur empfehlen kann, auch auf Französisch 🙂

„Where’d you go, Bernadette“ von Maria Semple

Im August dieses Jahres erschien der Film „Wo steckst du Bernadette“ in den deutschen Kinos. Ich hatte die Vorschau davon gesehen (Cate Blanchett spielt Bernadette!) und darin las ich meinen Lieblingssatz: Basierend auf dem gleichnamigen Roman. Juchu und juche, es gab ein „neues“ Buch für mich zu lesen. Denn die Vorschau klang bereits vielversprechend, auch wenn ich jetzt, bei neuerlicher Sichtung und nach der Lektüre, vermute, dass sie im Film einige Sachen geändert haben. Aber was soll’s? Schließlich möchte ich dir hier von dem Buch erzählen und damit lege ich auch sofort los.

Cover von „Where’d you go, Bernadette“ von Maria Semple
Worum es geht

Bernadette Fox war eine aufstrebende junge Architektin. Sie hatte gerade einen hochdotierten Architekturpreis erhalten für ihr Twenty Mile House, ein Wohnhaus erbaut aus Materialien, die alle aus der näheren Umgebung stammten. Ein ökologisches, nachhaltiges Haus, noch bevor beide Worte zu einer Bewegung geworden waren. Bernadette Fox war ein Star. Und dann verschwand sie.

Zwanzig Jahre später lebt sie ein zurückgezogenes, ruhiges Leben in Seattle mit ihrem Mann Elgie und ihrer fünfzehnjährigen Tochter, Bee. Elgie arbeitet bei Microsoft an der Entwicklung eine Software namens Samantha 2, die es uns ermöglichen soll, unser Leben quasi durch Kraft unserer Gedanken zu steuern. Vor einigen Jahren hielt er einen TEDtalk, der bereits so oft geschaut wurde, das er auf Platz Vier der meistgesehenen TEDtalks steht. Bee heißt eigentlich Balakrishna, ein Name, für den ihre Mutter damals gute Gründe hatte, doch es gibt nun auch gute Gründe, sie nur Bee zu nennen. Bee ist ebenso intelligent wie ihre Eltern und hat es sich in den Kopf gesetzt, im kommenden Schuljahr in die Fußstapfen ihrer Mutter zu treten und deren früheres Internat zu besuchen. Bernadette gönnt es ihr von Herzen, doch wird es ihr nicht leichtfallen, Bee gehen zu lassen.

Denn Bee ist zum Mittelpunkt ihres Lebens geworden. Nach ihrer Ankunft in Seattle hatte Bernadette mehrere Fehlgeburten. Bee selbst kam mit einem schweren Herzfehler zur Welt und Bernadette schwor, dass sie nie wieder ein Haus entwerfen würde, wenn es nur bedeute, dass Bee gesund werde und bliebe. Daran hat sie sich bis heute gehalten. Doch wie ein Kollege von früher ihr nun so kurz und prägnant schreibt:

People like you must create. If you don’t create, Bernadette, you will become a menace to society.

„Where’d you go, Bernadette“ von Maria Semple, S. 133

Tatsächlich scheint sie eine Gefahr für ihre Familie zu werden. Denn ihr Wunsch, so wenig wie möglich mit den lästigen Müttern aus Bees Klasse und generell den Menschen in Seattle zu tun zu haben, hat sie veranlasst, beinah alle Familienangelegenheiten in die Hände einer ihr unbekannten Frau namens Manjula Kapoor in Indien zu legen. Dazu gehört auch die Familienreise in die Antarktis zu Weihnachten in wenigen Wochen. Ein Wunsch, den Bee geäußert hat. Manjula kümmert sich tadellos um alle Angelegenheiten, doch plötzlich steht das FBI in Elgies Büro und teilt ihm mit, dass sich hinter der Agentur, die seine Frau beauftragt hat, eine mafiöse Gruppe aus Russland verbirgt, die mittlerweile im Besitz aller wichtigen Kreditkarten- und persönlichen Informationen seiner Familie ist. Elgie ist völlig verdattert. Er versteht Bernadette schon lange nicht mehr, weil beide kaum noch Zeit miteinander verbringen. Nachdem ihm das FBI noch weitere private E-Mails von Bernadette gezeigt hat, kommt er zu dem Schluss, sie sei suizidgefährdet. Er veranlasst eine Intervention am Tag vor der geplanten Abreise zur Antarktis, mit dem Ziel, Bernadette stationär einweisen zu lassen.

Als Bernadette erkennt, was er vorhat, verschwindet sie abermals urplötzlich. Das FBI und die Polizei können sie nicht finden. Die Reise zur Antarktis fällt für Bee und Elgie aus, stattdessen geht Bee schon im Januar auf die neue Schule. Dort erhält sie einen Brief, in dem alle E-Mails und sonstige Nachrichten enthalten sind, die mit dem Verschwinden ihrer Mutter zu tun haben. Und Bee beginnt, ein Buch über das Leben und das Verschwinden ihrer Mutter zu schreiben, an dessen Ende noch einige Überraschungen auf sie warten.

Bernadette Fox ist eine Protagonistin, die mir richtig gut gefallen hat. Sie ist schräg, hat eine Menge Macken, sie ist eine interessante, intelligente, einfallsreiche und schlagfertige Frau, eine liebevolle und hingebungsvolle Mutter, die ihre Tochter in jeder Hinsicht unterstützt, und sie überrascht den Leser immer wieder auf’s Neue. Sie ist umgeben von Menschen, die allesamt etwas hysterisch wirken – mit Ausnahme von Bee natürlich. Das fand ich etwas anstrengend, muss ich sagen. Denn Bernadette hätte nicht verschwinden müssen, wenn allein ihr Mann sich einfach normal mit ihr unterhalten hätte. Aber dann wäre natürlich auch die Geschichte nicht so verlaufen, wie sie verlaufen ist. Glücklicherweise sind Elgie, Audrey und die anderen Nebenfiguren im letzten Drittel wieder nüchtern und normal, sodass ich mich mit ihnen versöhnen konnte und nun sagen kann, dass ich mich bei der Lektüre von „Where’d you go, Bernadette“ gut amüsiert habe.

Meine literarische Reise in die Welt der Finanzen – Teil 4

Auf meiner literarischen Reise in die Welt der Finanzen habe ich dir bisher von den ersten Büchern erzählt, die ich auf Empfehlung von Natascha Wegelin alias Madame Moneypenny gelesen habe, um einen ersten und teils auch schon einige weitere Schritte auf meinem Weg zu finanzieller Bildung zu gehen. Diesmal geht es um das große Thema „Ziele“. Ein Herzensthema von Natascha Wegelin. Verständlicherweise. Denn nur, wenn wir wissen, wo wir hin wollen, können wir festlegen, wie wir unser Ziel erreichen und anschließend Schritt für Schritt darauf hinarbeiten. Zum Thema hat sie diverse Podcastfolgen (erhältlich u. a. auf Spotify und bei Apple) und Moneytalks im Programm. Und auf ihrer Bücherliste stehen gleich mehrere Bücher dazu. Ob du sie wirklich alle lesen musst, das verrate ich dir heute.

„Goals“ von Brian Tracy

Das war das erste Buch, das ich zu diesem Thema gelesen habe. Reiner Zufall, dass meine Wahl darauf fiel. Zeitgleich hatte ich mir auch „Setze dir größere Ziele!“ von Rainer Zitelmann gekauft, mit dem ich also auch hätte beginnen können. Aber meine Wahl fiel nun mal auf „Goals“.

Es ist ein richtiges Arbeitsbuch, in dem Brian Tracy den Lesern in 21 Kapiteln helfen will, ihr Potential zu entfalten, ihre Ziele zu definieren und zu erreichen. Dafür stellt er uns allerlei Fragen und Aufgaben und fasst seine Botschaften am Ende der Kapitel nochmals kurz zusammen. Dadurch wiederholt er sich natürlich oft, die Botschaften kommen auf diese Weise aber definitiv an 😉 Er schreibt einfach und klar und denkt an die wichtigsten Bereiche des Lebens: Familie und Freunde, Beruf, Finanzen und Gesundheit. Er erzählt aus seinem eigenen Leben und gibt viele praktische Tipps.

Mir hat die Arbeit mit „Goals“ gut gefallen, weil ich nun meine Ziele in den verschiedenen Lebensbereichen jetzt für mich klar definiert habe und weiß, worauf ich bei der Umsetzung achten muss. Macht mich das von Jetzt auf Gleich zu einem wahnsinnig erfolgreichen Menschen? Nein. Aber das liegt an mir und nicht an „Goals“, das ich durchaus empfehlen kann.

„Die sieben Wege zur Effektivität“ von Stephen Covey

Die Einschätzung von „Die sieben Wege zur Effektivität“ wird relativ kurz. Ich hatte schon nach wenigen Seiten den Eindruck, das sich Stephen Coveys Werk und das von Brian Tracy seeehr gleichen, weswegen ich die Lektüre abgebrochen habe. Ich wollte mich nicht gleich zwei Mal durch die selben Fragen arbeiten.

Auch „Die sieben Wege zur Effektivität“ ist ein Arbeitsbuch aus dem Bereich der Selbsthilfeliteratur. Wegen des großen Erfolgs gibt es diverse Varianten und Fortsetzungen davon

Jetzt kann ich dir natürlich nicht sagen, welches von beiden Büchern besser ist. Lehrreich sind sie beide in jedem Fall und du hast daher die freie Wahl, für welches du dich entscheidest 😉

„Setze dir größere Ziele!“ von Rainer Zitelmann

Natascha Wegelin hält sehr viel von Rainer Zitelmann, seiner Einstellung und seinen Werken. Daher war es fast schon Pflicht, mindestens eines seiner Bücher zu lesen. Ich habe vor einem Jahr „Setze dir größere Ziele“ gekauft, in dem Zitelmann 18 Geheimnisse erfolgreicher Persönlichkeiten herausarbeitet, die man dann auch auf sein eigenes Leben anwenden kann. Spannend ist, dass er für jeden Aspekt, jedes Geheimnis die Lebensläufe mehrerer bekannter Menschen anführt, die der Verdeutlichung seiner Thesen dienen. Das macht die Lektüre äußerst abwechslungsreich und anschaulich. Auch wenn nicht alle dieser Persönlichkeiten unumstritten sind bzw. ihre Lebensläufe nicht 1 zu 1 kopiert werden können, kann man sich von ihnen vieles lernen.

Mir hat „Setze dir größere Ziele“ äußerst gut gefallen und ich werde den Ratschlag des Autors beherzigen, mich nun nach der Lektüre erneut hinzusetzen, um das, was ich erfahren habe, auf mein eigenes Leben anzuwenden.

„The Big 5 for Life“ von John Strelecky

Auch John Strelecky möchte uns zu erfolgreicheren und vor allem glücklicheren Menschen machen. Sein Ansatz: Jeder Mensch hat eine Aufgabe, eine Bestimmung und muss seinen Platz im Leben finden. In der Regel leben wir damit zugleich unsere Stärke(n) aus, was uns Freude bereitet, sodass wir gerne arbeiten und Erfüllung finden. Und wenn wir Erfüllung finden, sind wir glücklich.

Er verpackt seine Botschaft in eine Geschichte. Der Geschichte eines Mannes im mittleren Alter, bei dessen bestem Freund und Mentor eine Krankheit festgestellt wird, an der er schon bald sterben wird. Abwechselnd in der Gegenwart und in der Vergangenheit erzählt der Protagonist nun von dieser für ihn so entscheidenden Freundschaft, weil eben jener Freund ihn damals aufklärte über die Theorie der „Big 5 for Life“ und wie wichtig es dafür ist zu wissen, was einem Erfüllung bringt und womit man den größten Beitrag auf dieser Welt leisten kann.

Das Buch liest sich sehr gut und nebenbei beginnt man selber, sich über seinen eigenen Platz im Leben Gedanken zu machen. Mir hat’s gefallen und bei nächster Gelegenheit leihe ich mir noch eines seiner anderen Bücher aus, zum Beispiel Das Café am Rande der Welt.

Wem das nicht reicht oder wer den Input gerne auf andere Weise serviert bekommen möchte, der kann sich diverse Videos zum Buch auf YouTube anschauen oder auf der deutschen Website vorbeischauen. Viel Spaß!

„Essentialism“ von Greg McKeown

Dieses Buch wurde von Natascha in den höchsten Tönen gelobt, möglicherweise habe ich es allerdings zum falschen Zeitpunkt gelesen.

Das Buch ist in vier Abschnitte unterteilt: Im ersten erklärt der Autor, was Essenzialismus ist, im zweiten und dritten zeigt er uns, wie wir das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden und uns vom Unwesentlichen trennen. Im letzten Abschnitt bringt er uns bei, wie wir die Ausführung des Wesentlichen kinderleicht machen.

Die grundlegende Botschaft, die ich von dem Buch mitgenommen habe, ist, dass es uns nichts bringt, unsere Energie in viele Projekte zu stecken, weil wir dann zu langsam vorwärts kommen und unsere Motivation irgendwann versiegt. Stattdessen sollen wir all unsere Energie in ein Projekt, das Erreichen eines Zieles stecken. Auf diese Weise machen wir schnellere und größere Fortschritte, was uns natürlich beflügelt, was uns wiederum weiter anspornt. So weit so logisch.

Leider hapert es bei mir immer noch mit der Umsetzung. Aber ich arbeite daran und widme mich neu pro Woche einem Projekt, statt jeden Tag etwas anderes zu machen. Ich nehme an, bei diesen Büchern muss jeder für sich schauen, wie es am besten funktioniert. Und gelernt habe ich ja offensichtlich auch von Greg McKeown etwas.

„Denke nach und werde reich“ von Napoleon Hill

Hills Werk erschien erstmals 1966, wurde seither in zahlreiche Sprachen übersetzt und hat sich millionenfach verkauft. Ein immer noch erfolgreicher Klassiker in diesem Bereich und bei der Lektüre fällt mir auf, wie viele der von Hill erteilten Ratschläge Natascha Wegelin regelmäßig an ihre Moneypennies weitergibt.

Den Anfang nahm dieses Buch, als Hill die Gelegenheit bekam, mit Andrew Carnegie zu reden, einem „US-amerikanischen Tycoon in der Stahlbranche“, wie es auf Wikipedia so schön steht. Dieser verriet Hill das Geheimnis des Erfolgs und bat ihn, es möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Hill nahm sich diese Bitte zu Herzen und redete in den folgenden 20 Jahren mit unzähligen erfolgreichen Menschen – aber auch mit ebenso vielen Menschen, die nicht so großen Erfolg gehabt haben in ihrem Leben. Aus all diesen Gesprächen hat er die 13 Gesetze des Erfolgs abgeleitet und in „Denke nach und werde reich“ in 13 übersichtlichen Kapiteln zusammengefasst.

Vieles von dem, was er schreibt, kommt mir aus Brian Tracy’s Buch „Goals“ bekannt vor. Während Tracys Buch mehr ein Arbeitsbuch ist, das man durcharbeitet, ist Hills Werk mehr ein Lehrbuch, in dem – übertrieben ausgedrückt – jedes zweite Wort kursiv geschrieben ist, um uns die Botschaft einzutrichtern. Außerdem macht er ein großes Geheimnis aus dem Geheimnis des Erfolgs, das fand ich etwas lästig. Das ist aber eine sehr subjektive Kritik.

Inhaltlich geht es ihm wie Tracy auch darum (oder eher geht es Tracy wie Hill darum, denn schließlich war Hill vorher da), zu vermitteln, dass wir zuallererst unser Ziel ganz konkret definieren müssen. Wir müssen daran glauben und uns mit Autosuggestion davon überzeugen, dass wir es erreichen können, ja, sogar schon erreicht haben. Dieser Aspekt ist ihm sehr wichtig. Denn wenn wir nicht wirklich an unsere Fähigkeit glauben, unser Ziel erreichen zu können, arbeiten wir selber gegen uns. Wir sollen hartnäckig an unserem Ziel dranbleiben, uns nicht entmutigen lassen, wir sollen uns die nötigen Fachkenntnisse gerne auch über entsprechend qualifizierte Mitarbeiter oder Teammitglieder einholen und mit Phantasie ans Werk gehen.

Da auf seinem Werk sicherlich einige der anderen hier genannten Bücher aufbauen, wirken seine Ideen nicht unbedingt neu und der ein oder andere Ratschlag wirkt trotz Überarbeitung veraltet (gerade hinsichtlich des Bewerbungsprozesses). Man vertieft durch die Lektüre aber nochmal einige gute Ratschläge, die man möglicherweise schon woanders gelesen hat. Außerdem gibt Hill einem einige Vorlagen für Affirmationen an die Hand, auch wenn ich mir gerade nicht ganz vorstellen kann, sie mir wirklich laut und mit der nötigen Inbrunst vorzulesen – was vermutlich der Hauptgrund dafür sein wird, dass ich nicht den von ihm definierten Erfolg haben werde in meinem Leben (überhaupt fühle ich mich von seinen Abhandlungen über Versager teils eher angesprochen…).

Mein Fazit

Wie du siehst, überschneiden sich die Bücher thematisch häufig. Klar nimmt man von jedem Buch noch einen weiteren Aspekt mit, der im anderen nicht enthalten war, trotzdem denke ich nicht, dass man sie alle gelesen haben muss. Möglicherweise folgt jetzt ein Sturm der Entrüstung: „Wie kannst du so etwas sagen? Jedes Buch ist eine lohnende Investition in die persönliche Entwicklung!“ Dem möchte ich auch gar nicht widersprechen. Allerdings setzt bei mir irgendwann eine gewisse Ermüdung ein, wenn ich immer wieder das gleiche lese.

Welche Bücher würde ich daher empfehlen? Eines der grundlegenden Bücher zum Thema Ziele, sei es das von Brian Tracy, Stephen Covey oder Rainer Zietelmann. Und wenn du dann noch etwas Leichtes suchst, ist John Strelecky auch noch nett.

So oder so: Viel Spaß beim Auswählen und lass mich wissen, was du von den Büchern hältst, wenn du sie gelesen hast.