„Frau im Dunkeln“ von Elena Ferrante

Elena Ferrante ist ja seit einiger Zeit in aller Munde. Ihre Saga aus Neapel, die mit „Meine geniale Freundin“ begann, ist ein weltweiter Bestseller und auch ihre anderen Bücher werden seither viel gelobt und beachtet. Von einer Freundin wurde mir letztens „Frau im Dunkeln“ ausgeliehen, das bereits 2007 erstmals auf Deutsch erschien und von dem ich dir heute erzählen möchte.

Worum es geht

Leda ist Ende Vierzig. Ihre beiden Töchter sind bereits erwachsen und leben seit einiger Zeit bei ihrem Vater in Kanada. Leda genießt es, allein zu sein, nur für sich sorgen zu müssen. Schon oft hat sie sich seither sagen lassen, dass sie besser und jünger ausschaut als sie eigentlich ist.

Aus einem Impuls heraus hat sie entschieden, diese Sommerferien am Meer zu verbringen und dort die Seminararbeiten zu korrigieren, die sich auf ihrem Schreibtisch stapeln. Am ersten Tag der Ferien packt sie alles in ihr Auto und fährt zu dem kleinen Ort, den sie sich nach eingehender Recherche ausgesucht hat. Giovanni, ein älterer Herr, führt sie dort in ihre Ferienwohnung, in der sogar eine Schale mit frischem Obst steht. Doch bei genauerer Betrachtung stellt sie fest, dass unter einigen frischen Früchten alte, verschimmelnde Früchte liegen. Ein Omen, möchte man am Schluss der Lektüre sagen.

Der Strand liegt in den nächsten Tagen recht ruhig da und Leda schiebt die Zweifel, die sie bereits beschlichen, beiseite. Doch dann beobachtet sie Nina, eine junge Frau, etwa zwanzig Jahre alt, die am Strand mit ihrer drei oder vier Jahre alten Tochter und deren Puppe spielt. Beide wirken so eins, sich selbst genug, dass Leda über ihr eigenes Leben, ihre eigene Mutterrolle nachzudenken beginnt. Als dann am Wochenende auch noch Ninas laute neapolitanische Familie an den Strand kommt, wird Leda endgültig mit Erinnerungen überschwemmt, auch an ihre eigene Kindheit.

Leda bricht im folgenden ihren äußeren Schein auf und schaut auf ihr dunkelstes Inneres. Das Gleiche geschieht später auch bei Nina, denn auch dort ist nicht alles so, wie es scheint. Katalysator für beide Häutungen ist, dass Leda die Puppe von Ninas Tochter im Sand findet und einfach mit nach Hause nimmt, statt sie zurückzugeben. Bei Leda ruft die Puppe Erinnerungen wach, Ninas Tochter wird über den Verlust der geliebten Puppe krank und setzt somit auch ihrer Mutter zu.

Elena Ferrante schreibt gut und zieht uns mit ihren Geschichten in den Bann. Aber mir fällt auf, dass sie sich in ihren Büchern besonders gern mit den negativen Emotionen und Bildern beschäftigt. Sicherlich ist Muttersein kein Zuckerschlecken und einige der Gedanken, die Leda in dieser Zeit hatte, kommen der ein oder anderen bestimmt auch bekannt vor. Aber das ist ja nicht alles. Ebenso wie in der Obstschale gute und schlechte Früchte lagen, hat man in seinem ganzen Leben gute und schlechte Phasen oder Momente. Und diese guten Erlebnisse blendet Elena Ferrante aus, habe ich den Eindruck. Oder sie werden von negativen Ereignissen überlagert. Man braucht daher für die Lektüre ihrer Bücher ein dickes Fell oder man bzw. frau sollte sich vorher schon seelisch darauf einstellen, dass harte Kost auf uns wartet 😉

Autor: Kathrin

Ich bin Kathrin, 33 Jahre alt, nimmersatte Leserin, Bücherei-Frequentiererin und Übersetzerin. Da ich mein Geld in der Regel seltener für Kleider, Schuhe, Handtaschen und sonstigen Schnickschnack und stattdessen oft spontan für Bücher ausgebe, befinden sich in meinen Regalen derzeit vorwiegend ungelesene Bücher. Für 2019 habe ich mir vorgenommen, mich endlich durch meine ganz persönlichen Schätze zu lesen. Was alles in meinen Regalen schlummert, Schätze oder kolossale Fehlkäufe, und welche Bücher mich sonst noch begeistert haben, darüber schreibe ich hier.

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