„Where’d you go, Bernadette“ von Maria Semple

Im August dieses Jahres erschien der Film „Wo steckst du Bernadette“ in den deutschen Kinos. Ich hatte die Vorschau davon gesehen (Cate Blanchett spielt Bernadette!) und darin las ich meinen Lieblingssatz: Basierend auf dem gleichnamigen Roman. Juchu und juche, es gab ein „neues“ Buch für mich zu lesen. Denn die Vorschau klang bereits vielversprechend, auch wenn ich jetzt, bei neuerlicher Sichtung und nach der Lektüre, vermute, dass sie im Film einige Sachen geändert haben. Aber was soll’s? Schließlich möchte ich dir hier von dem Buch erzählen und damit lege ich auch sofort los.

Cover von „Where’d you go, Bernadette“ von Maria Semple
Worum es geht

Bernadette Fox war eine aufstrebende junge Architektin. Sie hatte gerade einen hochdotierten Architekturpreis erhalten für ihr Twenty Mile House, ein Wohnhaus erbaut aus Materialien, die alle aus der näheren Umgebung stammten. Ein ökologisches, nachhaltiges Haus, noch bevor beide Worte zu einer Bewegung geworden waren. Bernadette Fox war ein Star. Und dann verschwand sie.

Zwanzig Jahre später lebt sie ein zurückgezogenes, ruhiges Leben in Seattle mit ihrem Mann Elgie und ihrer fünfzehnjährigen Tochter, Bee. Elgie arbeitet bei Microsoft an der Entwicklung eine Software namens Samantha 2, die es uns ermöglichen soll, unser Leben quasi durch Kraft unserer Gedanken zu steuern. Vor einigen Jahren hielt er einen TEDtalk, der bereits so oft geschaut wurde, das er auf Platz Vier der meistgesehenen TEDtalks steht. Bee heißt eigentlich Balakrishna, ein Name, für den ihre Mutter damals gute Gründe hatte, doch es gibt nun auch gute Gründe, sie nur Bee zu nennen. Bee ist ebenso intelligent wie ihre Eltern und hat es sich in den Kopf gesetzt, im kommenden Schuljahr in die Fußstapfen ihrer Mutter zu treten und deren früheres Internat zu besuchen. Bernadette gönnt es ihr von Herzen, doch wird es ihr nicht leichtfallen, Bee gehen zu lassen.

Denn Bee ist zum Mittelpunkt ihres Lebens geworden. Nach ihrer Ankunft in Seattle hatte Bernadette mehrere Fehlgeburten. Bee selbst kam mit einem schweren Herzfehler zur Welt und Bernadette schwor, dass sie nie wieder ein Haus entwerfen würde, wenn es nur bedeute, dass Bee gesund werde und bliebe. Daran hat sie sich bis heute gehalten. Doch wie ein Kollege von früher ihr nun so kurz und prägnant schreibt:

People like you must create. If you don’t create, Bernadette, you will become a menace to society.

„Where’d you go, Bernadette“ von Maria Semple, S. 133

Tatsächlich scheint sie eine Gefahr für ihre Familie zu werden. Denn ihr Wunsch, so wenig wie möglich mit den lästigen Müttern aus Bees Klasse und generell den Menschen in Seattle zu tun zu haben, hat sie veranlasst, beinah alle Familienangelegenheiten in die Hände einer ihr unbekannten Frau namens Manjula Kapoor in Indien zu legen. Dazu gehört auch die Familienreise in die Antarktis zu Weihnachten in wenigen Wochen. Ein Wunsch, den Bee geäußert hat. Manjula kümmert sich tadellos um alle Angelegenheiten, doch plötzlich steht das FBI in Elgies Büro und teilt ihm mit, dass sich hinter der Agentur, die seine Frau beauftragt hat, eine mafiöse Gruppe aus Russland verbirgt, die mittlerweile im Besitz aller wichtigen Kreditkarten- und persönlichen Informationen seiner Familie ist. Elgie ist völlig verdattert. Er versteht Bernadette schon lange nicht mehr, weil beide kaum noch Zeit miteinander verbringen. Nachdem ihm das FBI noch weitere private E-Mails von Bernadette gezeigt hat, kommt er zu dem Schluss, sie sei suizidgefährdet. Er veranlasst eine Intervention am Tag vor der geplanten Abreise zur Antarktis, mit dem Ziel, Bernadette stationär einweisen zu lassen.

Als Bernadette erkennt, was er vorhat, verschwindet sie abermals urplötzlich. Das FBI und die Polizei können sie nicht finden. Die Reise zur Antarktis fällt für Bee und Elgie aus, stattdessen geht Bee schon im Januar auf die neue Schule. Dort erhält sie einen Brief, in dem alle E-Mails und sonstige Nachrichten enthalten sind, die mit dem Verschwinden ihrer Mutter zu tun haben. Und Bee beginnt, ein Buch über das Leben und das Verschwinden ihrer Mutter zu schreiben, an dessen Ende noch einige Überraschungen auf sie warten.

Bernadette Fox ist eine Protagonistin, die mir richtig gut gefallen hat. Sie ist schräg, hat eine Menge Macken, sie ist eine interessante, intelligente, einfallsreiche und schlagfertige Frau, eine liebevolle und hingebungsvolle Mutter, die ihre Tochter in jeder Hinsicht unterstützt, und sie überrascht den Leser immer wieder auf’s Neue. Sie ist umgeben von Menschen, die allesamt etwas hysterisch wirken – mit Ausnahme von Bee natürlich. Das fand ich etwas anstrengend, muss ich sagen. Denn Bernadette hätte nicht verschwinden müssen, wenn allein ihr Mann sich einfach normal mit ihr unterhalten hätte. Aber dann wäre natürlich auch die Geschichte nicht so verlaufen, wie sie verlaufen ist. Glücklicherweise sind Elgie, Audrey und die anderen Nebenfiguren im letzten Drittel wieder nüchtern und normal, sodass ich mich mit ihnen versöhnen konnte und nun sagen kann, dass ich mich bei der Lektüre von „Where’d you go, Bernadette“ gut amüsiert habe.

Autor: Kathrin

Ich bin Kathrin, 33 Jahre alt, nimmersatte Leserin, Bücherei-Frequentiererin und Übersetzerin. Da ich mein Geld in der Regel seltener für Kleider, Schuhe, Handtaschen und sonstigen Schnickschnack und stattdessen oft spontan für Bücher ausgebe, befinden sich in meinen Regalen derzeit vorwiegend ungelesene Bücher. Für 2019 habe ich mir vorgenommen, mich endlich durch meine ganz persönlichen Schätze zu lesen. Was alles in meinen Regalen schlummert, Schätze oder kolossale Fehlkäufe, und welche Bücher mich sonst noch begeistert haben, darüber schreibe ich hier.

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